Reisebericht Sachsen Elbsandsteingebirge 2012

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Kurzfristigkeit und Urlaubssperren haben eine Reise nach Botswana verhindert, deshalb haben wir uns für einen Kurztrip in den nahen Osten entschlossen.

Sachen - Elbsandsteingebirge und Dresden.

Wir starten am 1. Okt. mit dem Auto bei bestem Wetter und fahren gen Osten, in ein Gebiet mit unzähligen Unfallschwerpunkten und der damit verbundenen hohen Dichte an Blitzern.

Bastei

01.10.2012 Sächsische Schweiz- Elbsandsteingebirge

Dank super ausgebauten Autobahnen (die A2-Fahrer sind sicher neidisch) erreichen wir Pirna (Hildesheim – Braunschweig – Magdeburg – Leipzig – Dresden – Pirna 380 km) gegen Mittag. In der Touristeninformation erfahren wir, dass viele Hotels ausgebucht sind, wegen des Feiertags am 3. Oktober.

Es ist nicht nur Connys Geburtstag, sondern auch Tag der Deutschen Einheit. Einige sprechen hier auch vom Tag der Republik. Welche Republik ist wohl gemeint ???.

Das stellt aber nicht wirklich ein Problem dar, es gibt noch genügend freie Zimmer und wir wählen das Elbparadies aus, etwas außerhalb der Stadt, direkt an der Elbe.

Hotel ElbparadiesElbausblick

Das Hotel ist mehr eine gemütliche Pension und der Besitzer, ein herzlich / uriger Sachse, gibt uns letzte Tipps für den Besuch der Bastei, der besonders faszinierenden Felsformationen in der Sächsischen Schweiz. Wir brechen gleich nach dem Einchecken auf.

Von Pirna aus erreichen wir die Bastei nach ca. 10 km, es geht über Landstraßen und teils in Serpentinen hoch auf das Felsplateau.

Die Bastei liegt 305 Meter über NN und ist eine Felsformation mit Aussichtsplattformen und befestigten Wegen dazwischen. Sie zählt, aus unserer Sicht berechtigt, zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Sächsischen Schweiz.

Bastei

Basteifelsen

Von dort bietet sich eine weite Aussicht ins Elbtal und über das Elbsandsteingebirge. Auf der Hochfläche hinter der Bastei befindet sich ein Hotel mit Restaurant, wir haben hier leider kein Zimmer mehr bekommen, sonst hätten wir auch schon vor dem Frühstück und vor der Rushhour Fotos machen können.

Schon der Name Bastei deutet darauf hin, dass die steil aufragenden Felsen zunächst als Verteidigungsanlage der Felsenburg Neurathen genutzt wurden. Antike Wurfmaschinen sind hier heute noch zu besichtigen. Über Jahrhunderte wurde die Bastei immer beliebteres Ausflugziel und immer weiter ausgebaut.

In den Tälern hält schon langsam der Indian Summer Einzug, neben Nadelgehölzen sind auffallend viele Eichen vertreten.

Wir wandern zum Parkplatz zurück und wollen heute noch den ‚Kasperl’ besuchen. Festung und Ort Hohnstein ist die Geburtsstätte des bekannten Kaspers mit seinem markanten Holzgesicht und der langen Nase.

Die mittelalterliche Burganlage Hohnstein erlebte bis heute eine wechselvolle Geschichte. Im dritten Reich wurde die damalige Jugendherberge umfunktioniert zum Kriegsgefangenenlager und KZ. Der damalige Leiter der Jugendherberge wurde makaberer weise der erste KZ Gefangene auf Hohnstein.

Außerhalb gibt es einen Aussichtspunkt ‚Napoleon-Schnaze’ von dem wir die Burg nochmal von oben fotografieren wollen. Eingezeichnet ist er in den Karten, angeblich gut ausgeschildert, aber wir finden ihn nicht und landen zwischen Feldern und Wiesen. Wir ernten mitleidige Blicke von Bauern und Kleingärtnern ‚Was die hier wohl wollen?’.

Nach einer Stunde geben wir auf und essen im ‚Weißen Hirschen’ in Hohnstein. Hier werden wir keine Restaurantsterne vergeben, es dauert ewig bis wir unser Essen bekommen und das ist auch noch teuer und schlecht. Fairerweise muss man sagen, dass wir das erste und einzige Mal ‚essenstechnisch’ enttäuscht wurden.

Die Rückfahrt im Dunkeln ist abenteuerlich. Die Straßen sind völlig unbeleuchtet (jetzt wird klar woher der Begriff Dunkeldeutschland kommt) und sehr kurvenreich, zudem stehen Rehe direkt an der Straße – Safarifeeling kommt auf.

02.10.2012 Sächsische Schweiz- Elbsandsteingebirge

Bersteiger Basteifelsen 1Bersteiger Basteifelsen 2

Nach dem Frühstück machen wir nochmal eine Stippvisite zur Bastei. „Das Morgenlicht taucht die Felsformationen in leuchtendes Orange / Rot und der aufsteigende Dunst im Hintergrund perfektioniert die Aufnahmen“ - so stellt sich der Fotograf das vor. Dafür ist es aber schon etwas spät - wir haben ja auch Urlaub und durften ausschlafen. Die Bergsteiger haben hier ein Paradies und an einem sonnigen Tag wie diesem gibt es keinen Felsen der nicht von den Bergsteigern ‚bearbeitet’ wird.

Weiter geht es nach Bad Schandau, Kneippkurort mit vielen touristischen Angeboten. Uns zieht es zum historischen Personenaufzug – er bringt seit 1905 die Gäste auf das Plateau der Ostrauer Scheibe und ist mit seinem 50 Meter hohen Stahlgerüst schon eine beeindruckende Leistung, die vor über 100 Jahren erbracht wurde.

Bad Schandau Personenaufzug

Wie im Harz haben sich auch im Elbsandsteingebirge wieder Luchse angesiedelt. Um es den Besuchern etwas leichter zu machen diese zu finden, gibt es großzügige Gehege in denen mehrere Tiere gehalten werden, dieser hier heißt Alfons und ist wirklich fotogen.

Wandern ist hier ein Muss, es gibt die unterschiedlichsten Routen und Schwierigkeitsgrade. Wir, als ausgewiesene Autowanderer, suchen uns eine kinderwagentaugliche Route von Stadt Wehlen zum Uttewalder Grund aus. Unser Navi, offensichtlich falsch programmiert, führt uns zunächst nach Tschechin. Wir nutzen die Gelegenheit und genießen das gute und günstige Essen bei den Nachbarn.

Nachdem wir unseren Ausgangspunkt Stadt Wehlen doch gefunden haben, geht es auf die 5 km Tour, ein Abstecher ins Märchenreich / Märchenwald. Rechts und links ragen bizarre Felsformationen in die Höhe, überwuchert und eingefasst von Grün ohne Ende (Moose, Farne, Bäume, Sträucher ...).


Die Tour führt uns am Gasthaus Waldidylle vorbei und endet am Felsentor, das bereits Caspar David Friedrich zu einem Gemälde inspiriert hat. Wie viele dieser Einzeltouren gehört auch diese zum sogenannten Malerweg.

Der Malerweg - Elbsandsteingebirge ist 112 km lang und gehört zu den schönsten und beliebtesten Wanderwegen Deutschlands.

Im Juni 2006 wurde diese wildromantischste Wanderroute Deutschlands zu neuem Leben erweckt. Schon vor 200 Jahren begeisterten sich Reisende an der unerschöpflichen Fülle bizarrer Felsgebilde, romantischer Schluchten, erhabener Tafelberge mit atemberaubenden Aussichten. Viele Maler späterer Generationen folgten ihren Spuren durch das Elbsandsteingebirge, darunter so berühmte wie Caspar David Friedrich. Alle folgten einer bevorzugten Route die später unter dem Namen “Malerweg“ bekannt wurde.

Dieter überlegt schon ob er diese Wanderung nicht mal machen sollte – vielleicht als Rentner. Die Aussichten und Lichtstimmungen sind wirklich toll.

Abendstimmung im ElbsandsteingebirgeAbednstimmung an der Elbe

PS:

An unserem Hotel ist eine Messlatte angebracht, die das Elbhochwasser anzeigt. Höchster Stand: August 2002 - 10,58 Meter. Unser Hotelzimmer liegt im ersten Stock - wir hätten noch nasse Füße bekommen! Einzelne Häuser müssen vollständig in den Fluten versunken sein. Kaum vorstellbar wie es hier ausgesehen haben muss.

03.10.2012 Dresden - Die Schöne an der Elbe oder Elb-Florenz

Heute, an Conny’s Geburtstag und dem ‚Tag der Republik’, fahren wir weiter nach Dresden. Bei unserem letzten Besuch in Dresden war die Ruine der Frauenkirche noch nicht vollständig wieder aufgebaut. Nun wollen wir das 2005 geweihte, fertige Kunstwerk bewundern.

Die Firma IBM hatte sich schon früh nach der Wende für dieses Projekt engagiert. Simulationen haben schon Anfang 1990 dargestellt wie die Frauenkirche innen und außen aussehen wird. Man konnte virtuelle Rundgänge durch die Kirche machen.

Frauenkirche Kuppel

Frauenkirche Altar

In der Realität ist diese Kirche noch viel beeindruckender. Sie verfügt über eine der größten steinernen Kirchenkuppeln nördlich der Alpen. Eine beeindruckende Leistung 1722 eine solche Kirche zu planen und in nur 17 Jahren zu bauen. Die Symmetrie und die klaren Linien sind überall bis in den kleinsten Details zu bewundern.

Die Außenkuppel sollte nach ursprünglichen Plänen des Ratsbaumeisters Bährs aus Holz und Kupfer entstehen. Bähr schlug gegenüber dieser kostspieligen Variante später eine Steinkuppel vor, von der er sich eine großartigere Wirkung versprach, und setzte diese mit Unterstützung August des Starken durch.

Der Wiederaufbau nach der Wende, ermöglicht durch eine weltweite Spendenbereitschaft, war nicht unumstritten – wie bei allen Projekten dieser Größenordnung. Hauptkritikpunkt war, ein Mahnmal ginge verloren und die Kirche wäre eh nur ein Neubau nach alten Plänen. Man hat versucht möglichst viel der alten Bausubstanz wiederzuwenden. Steinkataloge wurden erstellt, Materialprüfungen durchgeführt ... sodass 43% der Original-Bausubstanz weiterverwendet wurde.

Frauenkirche mit Martin Luther StaturFrauenkirche Kuppel

Durch die Verwendung von neuem und altem Steinmaterial entsteht dieser Puzzlecharakter der Außenmauern. In ca. 80 Jahren werden auch die neuen Sandsteine die grau/schwarze Patina angenommen haben.

Also weit nach unserer Zeit.

Ein Turmaufstieg bis hin zur oberen Kuppel ist unbedingt zu empfehlen und entschädigt mit einem herrlichen Ausblick auf Dresden. An der Kasse bekommen wir sogar ‚Geburtstagsrabatt’, Conny ersteigt den Turm zum ermäßigen Tarif.

Dresden allein auf die Frauenkirche zu reduzieren, wäre sicher sträflich. Diese Stadt hat so viele fantastische und beeindruckende Gebäude, dass der Name Elbflorenz sicher berechtigt ist.

Semper OperGalerieBlick von der FaruenkircheStaatskanzlei

04.10.2012 Leipzig

Nach einer Übernachtung in Grimma im Kloster Nimbschen stand für heute Leipzig auf dem Programm. Da das Völkerschlachtdenkmal renoviert wird und das Wetter zusehens schlechter wurde, fällt Leipzig aus und wir fahren direkt nach Hause.

PS: Eine sehr schöne Reise durch den nahen Osten konnte ohne ‚Ticket’ erfolgreich abgeschlossen werden.