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Teneriffa Mai 2009 - der etwas andere Urlaub

Natternkoepfe vor Teide

Da es in diesem Jahr nicht nach Afrika, sondern gen Norden nach Island gehen soll, wollen wir für eine Woche die Sonne der Kanaren

17. Mai 2009 Ankunft in Teneriffa

‚Zuhause’ ist alles bestens organisiert, Pizza ausreichend im Kühlschrank, Cola im Keller und für die Schultage des ‚Kleinen’ übernimmt unsere liebe Nachbarin Christine die Sicherheitsweckrufe. Wir kommen ohne zusätzliche Sprengstoffkontrollen, Laptop Checks, … durch die Sicherheitskontrollen, trotz der Unmengen an Kabel-, Computer- und Fotoausrüstungen, die wir dabei haben.
Abflug ist in Hannover um 14.30 Uhr, der Flug dauert 5 Stunden (irgendwie hatten wir 4 Stunden nach Fuerte im Kopf), aber für uns Zwei hat die eine Stunde mehr oder weniger auch keine Bedeutung.
Auf Teneriffa angekommen übernehmen wir unseren kleinen Mietwagen (günstig 160 Euro eine Woche) und verlassen den Aeropuerto Sur Richtung Costa Adeje. Es ist 19:00 Uhr Ortzeit und noch immer angenehme 19 Grad. An die Beschilderung müssen wir uns erst noch gewöhnen, das Hotel Colón Guanahaní (La Fañabé) erreichen wir nach kleinen Umwegen.

Das Hotel ist gut ( super ausgesucht von Fr. Bülow, unserer Reisefachfrau), laut der Rezeption haben wir ein Superior-Zimmer und wir bekommen sogar bis 22 Uhr was zu Essen. Restaurant und Hotel sind wirklich gut, wir sind einfach zu verwöhnt, um in die Begeisterung einiger Gäste einzustimmen. Gut, dass wir den Hinweis aus dem Internet aufgegriffen haben und ein Zimmer zum Pool gebucht haben, das Hotel liegt an einer viel befahrenen Straße in 3’ter oder 4’ter Reihe vom Strand.


17. Mai 2009 Ankunft in Teneriffa

Steilküste Los Gigantos II Hotel Colon Guanahani II Gut ausgeschlafen und bei strahlend blauem Himmel mit angenehmen Temperaturen beginnen wir den Tag. Wir wollen es langsam angehen und am Pool relaxen, am späten Nachmittag starten wir dann doch zu unserem ersten Ausflug an die Westküste, nach Los Gigantes. Die Karte unseres Reiseführers und die gratis verteilte Map von ‚Teneriffa Pearls’ leitet uns über gut ausgebaute Serpentinen-straßen zu dem in den 70’er Jahren entstandenen Ferienort mit grandioser Lage an der Steilküste.
Das Foto von der Steilküste, das bereits im Kopf entstanden ist, kann nur vom Boot aus gemacht werden und dazu sind wir etwas spät dran. Von hier aus, wie von vielen anderen kleinen Häfen, starten Schiffsausflüge zur Beobachtung von Walen und Delfinen. Viele verschiedene Walarten sollen um Teneriffa zuhause sein, Schwerpunkt sind Grindwale.
Auffällig ist, dass fast alle Orte viel zu eng bebaut sind und dies nicht immer zur vorteilhaften architektonischen Erscheinung beiträgt. Z.Z. ist Vorsaison, Finanzkrise und es kommt uns echt leer vor. Auf den Promenaden ist nicht viel los, die ‚Schlepper’ der Restaurants müssen um jeden Gast kämpfen (aktives Marketing’, es ist aber nicht zu aufdringlich). Entweder kommen die Gäste alle noch oder sie sind früh im Bett? Bei Vollbelegung sind Engpässe mindestens an den wenigen schwarzsandigen Ständen vorgezeichnet.

19. Mai 2009 Der höchste Berg Spaniens ‚El Teide’

Blumenmeer in Vilaflor I Vulkanlandschaft mit Blumen II

Heute machen wir uns auf in den Teide Nationalpark, er liegt im Zentrum der Insel und umfasst eine hochalpine Landschaft mit Lavafeldern, Geröllwüsten und verwitterten Felsgiganten. Der Teide ist mit 3718 Metern der höchste Berg Spaniens und wurde 2007 mit dem Park in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen.

Die optimale Abfahrt der TF1 (Autobahn fast rund um die Insel) verpassen wir, aber alle Wege ins Landesinnere führen zum Teide. Über San Miguel und Vilaflor beginnt der slalomförmige Aufstieg. Vilaflor ist die höchste Agrarstadt Spaniens in 1160 m Höhe. Alle Felder sind terrassenförmig aufgebaut und ziehen sich bis unten ins Tal. Dem Namen Vilaflor - Stadt der Blumen macht der Ort alle Ehre. Wiesen blühen in den schönsten Farben gelb – orange – lila - weiß.

Wir haben den richtigen Tag für diese Tour ausgewählt, dass Wetter ist perfekt und wir können die Vulkanfelder mit der verwitterten Magma früherer Ausbrüche vor einem strahlend blauen Himmel fotografieren. Ein Filmteam nutzt ebenfalls die skurrile Umgebung, eine ‚alte Oma’ quält sich mit zwei Koffern die Straße in der Mittagssonne bergauf und ein Team von 20 Leuten wuselt um sie herum (Film, Ton, Licht, Maske …). Den Hauptteil der Filmmannschaft treffen wir weiter oben an, ein Zeltlager, mit vielen Fahrzeugen und Requisiten, wie eingepackte Kamele, sogar die Straße ist einseitig abgesperrt (nur Julia Roberts ist leider nicht zu sehen).

Teide Standardfoto

Am Parador Nacionale de las Cañadas, dem staatlichen Vorzeigehotel mit Cafe, decken wir uns mit Wasser und Sandwich ein und wandern zum gegenüberliegenden Roques de García einem verwitterten Magmaschlot. Wir machen von diesem Felsen natürlich auch eine Aufnahme. Das Bild, das jeder, der sich etwas mit Teneriffa beschäftigt hat, kennt, ein Fels mit Teide im Hintergrund. Von hier aus kann man die weite Sandwüste des Llano de Ucanca überblicken.

Eidechse - Urtier

Uns faszinieren besonders die gelben Blumenmeere, die sich überall in dieser kargen Landschaft ausbreiten und in voller Pracht blühen. Außerdem entdecken wir eine uns unbekannte Pflanze, eine Art Sukkulente, ca. 2m Stiel mit tausenden roten Blüten. Spätere Nachforschungen ergaben, das es sich um Teide Natternköpfe (Taginaste) handelte .
Zwischen den Steinen laufen unzählige verschiedene Eidechsen (possierliche Tierchen, die so nett still gehalten haben).

Auf der Weiterfahrt in Richtung Gipfel beschließen wir die Seilbahn (24 Euro pro Person), die uns in 10 Minuten auf die 3555 Meter hohe Bergstation gebracht hätte nicht zu nutzen. Den Gipfel darf man gegenwärtig nur mit einer Sondererlaubnis der Nationalparkbehörde besteigen.
Auf der Rückfahrt sammeln sich Wolkenfelder und auch Vilaflor liegt in einer Wolkendecke, ein Zwischenstopp hier hat sich damit erübrigt.

20. Mai 2009 Loro Parque Puerto de la Cruz

Etwas zögerlich entscheiden wir den Loro Parque zu besuchen. Als große Natur- und Tierliebhaber steht man diesen Parks immer etwas ambivalent gegenüber. Wir konnten aber der Faszination Königspinguine (die neuste Attraktion) zu sehen nicht widerstehen. Die Antarktis steht z.Z. nicht auf unserem Reiseplan.

Loro Park Pinguin I Loro Park Pinguin III

Wir fahren die Ostküste hoch über Los Gigantes, dann über endlose Serpentinen Santiago del Teide bis Icod de los Vinos. Conny meint: ‚Nur Einheimische fahren hier außer dir 50-60 km/Stunde’ (ist wohl als Lob gemeint) und so erreichen wir nach knapp 2 Stunden den Park.

Wir sind nicht ganz allein im Park, TUI ist schon mit 5 Bussen da. In der wirklich schön angelegten Anlage verlaufen sich die Besucher (Eintritt Erwachsene 31,50 Euro!!!), nur an einigen Highlights gibt es etwas Gedränge.

Laut Reiseführer gibt es hier das weltweit größte Pinguinarium der Welt. Die Anlage ist mit Wasser, Eis und künstlichem Schnee wirklich sehenswert und hoffentlich einigermaßen artgerecht. Trotz schwieriger Lichtverhältnisse ist das natürlich ein Traum für Fotobegeisterte.

Nach einer Stunde und 100 Fotos weiter treffen wir gleich auf die nächste Attraktion Berggorillas aus Uganda. Leider alles verglast und relativ schmutzige Scheiben, aber dies steht ja eh noch auf unserer Wunschliste und sollte nicht auf Teneriffa ‚abgehakt’ werden.
Es gibt mehrmals täglich Orca- und Dephinshows à la Orlando Seaworld, aber in einer abgespeckten Form. Auch wir haben diese Shows besucht, aber eigentlich ist es eher traurig diese tollen Tiere in einem etwas größeren Pool zu sehen, obwohl sie doch in den Weiten der Ozeane zu Hause sind.

Loro Park Pinguin I Loro Park Pinguin I

Die vielen Papageien und Loris, der Park engagiert auf internationaler Ebene für die Erhaltung der Papageien, sind alle in Gitter-Volieren zwischen Bambus-Pflanzen untergebracht, was wir nicht sonderlich attraktiv fanden.
Nach einem weiteren Abstecher zu den Pinguinen beenden wir den Parkbesuch. Alle Foto-Flash-Speicher sind voll und wir können einige tolle Pinguin-Bilder mit nach Hause nehmen.


(Für das Entfernen der Markierungsbänder an den Flossen der Pinguine gibt es ja Photoshop.)

Kateen auf Müllhalde

21. Mai 2009 Pooltag

Heute ist Pool angesagt. Morgens um 7 Uhr gibt es noch eine kleine Fotosession von Kakteen auf einer Müllhalde. Eine Security-Streife fragt mich, was ich hier so treibe, auf die Antwort ‚Fotos machen’ entfernen sie sich mit Kopfschütteln und ‚leichtem’ Unverständnis. Conny macht eine Fallstudie zum Benehmen Deutscher im spanischen Ausland und kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie die Pisa-Studie – das Verhalten ist verbesserungswürdig. Abends treffen wir Freunde in Playa de las Américas zum gemeinsamen Abendessen und verbringen einen netten Abend.

22. Mai 2009 an der Ostküste, zur Hauptstadt Santa Cruz

Wie immer ist es 23-25 Grad warm, aber heute versteckt sich die Sonne hinter Wolken. Wir starten gegen Mittag gen Norden und machen einen Stopp in Candelaria.

Candelaria Guanchen Staturen in Candelaria I

Der Fischerort ist benannt nach Mariä Lichtmess (span. Candelaria). Laut Überlieferung wurde im 15’ten Jahrhundert eine Madonnenstatur (wahrscheinlich von einem gesunkenen Schiff) angeschwemmt. Guanchen (Ureinwohner Teneriffas) stellt sie in eine Höhle und verehrten sie als Heilige.
Als die Insel 100 Jahre später von Kreuzrittern erobert wurde, bekam die Stadt diesen Namen, da man den Fund als göttlichen Wink interpretierte.
Die Kopie der Statur steht normalerweise in der Kirche, wurde aber entfernt, da am 23. Mai eine große Prozession stattfindet. Der ganze Ort ist geschmückt und sogar die Bürgersteige werden für dieses Fest gereinigt.

An der Uferpromenade sind Bronzestandbilder der Guanchenhäuptlinge aufgestellt die alle ehrfürchtig auf die Kirche blicken (Wer hat diese Blickrichtung nur ausgewählt?).

Über Santa Cruz, fahren wir weiter nach San Andrés zum Playa de las Teresitas, dem Superstrand, ein künstlich angelegter heller Sandstrand mit Palmen. Durch Bilder im Netz sind wir darauf aufmerksam geworden. Leider war es nicht so ergiebig wie angenommen. Über Serpentinen fahren wir weiter nach Igueste de San Andrés, dem A… der Welt. Hier schmeißen sich sogar Mäuse vors Auto und lassen sich überfahren.

Auditorium Santa Cruz I

Der geplante Besuch des Anaga-Gebirges mit seinem dichten Loorbeerwald fiel aus. Das Anaga ist besonders grün, weil der Nordostpassat häufig Wolkenbänke heranträgt, wie an diesem Tag.

Auf dem Rückweg halten wir in der Hauptstadt Santa Cruz (220.000 Einwohner). Da wir mit Museen, Plazas und spanischer Geschichte nicht so bewandert sind, besuchen wir nur das Auditorium. Es beheimat das Sinfonieorchester von Santa Cruz und besitzt schon eine besondere Architektur. Bei Nacht, angestrahlt, sieht es aus wie eine überdimensionierte Mondsichel (wir waren leider nur tagsüber dort). Der Architekt Santiago Calatrava, der das prachtvolle Auditoruim 2003 entworfen hat, wird hier als der Michelangelo der Neuzeit gefeiert. Uns erinnerte das Gebäude an die Oper in Sydney, auch die verwendeten Fliesen als Deckmaterial sind sehr ähnlich.

Wie auch immer, ein tolles Gebäude.

23. Mai 2009 Bootsausflug

Eigentlich sollte heute ein ‚fotofreier’ Tag sein, da es aber neben den idealen 25°C auch etwas bewölkt es und wir es lieben durch die Gegend zu fahren, geht es mittags noch mal los. Auf der Fahrt entsteht die Idee eine Delfin- und Waltour zu machen, also wir biegen nach Los Gigantes ab und müssten es bis 14:30 Uhr locker schaffen (Diese Spontanietät kann kein TUI-Reiseleiter befriedigen).
Unsere Erwartungen sind nicht hoch, aber die Tour entpuppt sich als Hit.

Delphine vor Los Gigantos I Delphine vor Los Gigantos III Neben der zu erwartenden besseren Fotoposition auf die Felsenküste, gibt es richtig tolle Möglichkeiten Delfine zu fotografieren (und nicht im Pool!). Sie schwimmen vorbildlich in Bootsnähe und springen wie es sich gehört.

Grindwale gibt’s zwar nicht, aber für 20 Euro inkl. Essen und Getränke sind natürlich Delphine schon super. Vor Masca gibt es noch einen Badestop, den vor allem eine Gruppe Jugendlicher ausgiebig nutzt. Auf dem Meer hat ein Seeadler Fische aus dem Meer geholt und wir konnten doch tatsächlich eine Aufnahme machen mit dem Fisch in Krallen. Leider etwas weit weg, ein 1000 Tele wäre da von Nöten gewesen.

Zum Abschluss wurden noch die Möven gefüttert und wir schießen super Mövenfotos im Flug. Absolut top. Der Fotograf an Bord gibt uns gleich seine Adresse mit der Bitte ihm einige Fotos zu schicken – wir bekämen auch was zurück.

Möven vor Los Gigantos I Am Besten gefallen hat die Tour sicher einer Abi-Truppe (Abi behaupten wir mal).
Sie fanden es einfach endgeil. Dem einen haben sogar „die Augen ejakuliert“ (O-Ton) und sie konnten sich vor Begeisterung nicht mehr einkriegen.
Der Fotograf an Bord auch, er hatte ein Video mit Leuten, die vor Begeisterung kreischten.

Auch wenn wir auf dem Rückweg bei Teneriffa Pearls (Verkaufsstationen in fast allen großen Orten) nichts gefunden haben und die goldene Kreditkarte nicht brauchten, war das ein schöner und erfolgreicher Tag.

Morgen geht’s zurück und wir blicken auf einen sehr erholsamen und harmonischen Urlaub zurück. Teneriffa ist sicher nicht unser Hauptreiseziel der nächsten Jahre, aber Klima und Insel haben gehalten, was sie versprochen haben.

PS: Weitere Bilder von Teneriffa in der Fotogalerie.