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Toskana April 2008

Viele unserer Freunde lieben die italienische Lebensart. Einige sind 'Fast-Italiener' (Austauschprogramm Pavia, Deutsch-Ital. Gesellschaft,...) und sie haben es geschafft, uns dieses Ziel schmackhaft zu machen.
Toskana Landschaft I Wir haben traditionell ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Italien wegen einiger negativer Erlebnisse vor allerdings nunmehr schon 20 Jahren. Diese Einstellung gipfelte in Dieters Spruch 'Das beste an Italien sind die Autofähren nach Griechenland'.
Diese Einstellung wurde bereits sehr positiv korrigiert durch unsere Reise nach Rom letztes Jahr. Nun wollten wir 5 Tage schöne Landschaft, Kultur und Lebensart in der Toskana genießen. Unsere Söhne sind versorgt (Sozialpraktikum der 'Kleine' und der 'Große' ist ja bereits seit einiger Zeit in die Stadt der Wissenschaft 'eingetaucht'), sodass das 'alte Ehepaar' allein unterwegs ist. Das verspricht, wie immer, eine sehr harmonische und stressfreie Reise zu werden.

Pisa, Schiefer Turm und Dom

Piazza Miraculi Wir starten ab Hannover supergünstig mit TUIfly nach Pisa. Sicherheitskontrolle und Abfertigung am Gate gestalten sich etwas aufwendig. Nach der obligatorischen Sprengstoffuntersuchung der Kameraausrüstung und dem Stau bei der Security werden die TUIFly-Damen nervös und etwas pampig, aber was kann man bei 100 Euro hin und zurück (inclusive Steuer) auch verlangen.
Nachdem wir unseren Baby-Mietwagen Lancia Ysilon in Pisa (nagelneu, 6 Km gelaufen) übernommen haben, erreichen wir um 23 Uhr unser Hotel 'My Hotel Galilei' und fallen ins Bett. Für Nachtaufnahmen von Turm sind wir nicht ausreichend motiviert. Pisa Dom II Pünklich um 7 Uhr (Ursache Dieters senile Bettflucht - sehr zu Freude von Conny), nach erstaunlich gutem Frühstück und Tipps an der Rezeption geht es in Richtung City. Wir finden sogar einen Parkplatz am Straßenrand nahe der Kirche 'San Catarine'. Blauer Streifen, da ist parken zwar erlaubt aber nicht umsonst, wie wir nach unserer Rückkehr feststellen. 36 Euro für 2 Stunden, das ist heftig, wir versuchen es auszusitzen.

Wir finden die Piazza dei Miracoli auf Anhieb und besteigen den 'schiefen Turm' von Pisa (Ticket 15 Euro, aber das muss sein und war ja auch in den letzten Jahren nicht immer möglich). Dank der hohen Preise gibt es keinen Andrang und wir können breits nach 20 Minuten unseren Aufstieg beginnen.

Der Platz blieb nach einem Bombenangriff im 2'ten Weltkrieg unbeschädigt, obwohl die Stadt sonst in Schutt und Asche lag. Dieses Kulturerbe blieb erhalten, nahezu ein Wunder, deshalb der Name Campo dei Miracoli.

Der Turm, gebaut als Glockentrum für den Dom, hat eine beeindruckende Neigung von 5,5 Gard. Schon beim Bau hat man festgestellt, dass sich eine leichte Neigung einstellt und man versuchte bei den oberen Etagen etwas gegenzusteuern. Ursache sind unterschiedliche Festigkeiten des Untergrundes.
Einige Jahre war der Turm gesperrt, da Umsturzgefahr bestand. Versuche mit 800 Tonnen Bleichgewichten und Seilzügen blieben bisher erfolglos. Nach einer langen Untersuchungsphase zur geeigneten Rettungmethode, hat man auf der Nordseite 70 cm des Erdreiches entfernt und so eine Aufrichtung von 14 cm erreicht. Seither ist der Turm wieder begehbar.
Wenn das Weltkulturerbe damit gerettet ist, sollte man auch nicht mehr tun. Was wäre der Schiefe Turm, wenn er nicht schief wäre?

Pisa Treppenstufen Pisa Dom Wir machen uns auf den Weg nach oben, 400 Stufen sind zu nehmen. Erstaunlich, wer sich alles den Aufstieg zumutet. An den Treppenstufen kann man ablesen, dass wir nicht die einzigen Besteiger dieses Turms sind (was für eine Erkenntnis).

Belohnt wird man mit einem fantastischen Blick über den Dom und die Dächer von Pisa. Insgesamt wird dem Turm fast die ganze Aufmerksamkeit geschenkt, wobei der Dom sicher zu einem der imposantesten Bauwerken gehört.

Auf dem Reise-Weg nach Volterra, San Gimignano

23. April 11:30 Uhr machen wir uns auf den Weg in die Residenz 'Le Valli'. Wir nutzen keine Autostradas sondern 'Bundesstraßen', denn wir wollen möglichst viel von der Landschaft sehen.
Der Weg ist das Ziel.
'Le Valli' (Das Tal) liegt etwas abgelegen in der Nähe von Volterra/Pomarance (siehe Internet). Conny findet natürlich sofort ohne Umwege die Richtung. Nicht selbstverständlich, da hier zwar jedes Hotel, jede Farmacia zigmal ausgeschildert ist, aber die Hinweisschilder zu anderen Orten relativ sparsam verteilt werden. Einmal mussten wir sogar feststellen, dass eine Richtungsangabe (wissentlich?) in die falsche Richtung zeigte. Man kam zufällig? am nächsten Cafe vorbei. Le Valli Le Valli Morgenstimmung Unsere Unterkunft für die nächsten 3 Tage, wir werden sternförmig von hier alle Punkte ansteuern, ist ein echter Glückgriff. Das umgebaute Gebäude umfasst mehrere Ferienwohnungen und 8 Zimmer (wir haben Nr. 14). Umgebaut und renoviert vom Schweizer Ehepaar Glaus ist hier schweizer Perfektionismus mit italienischem Flair und viel Liebe zum Detail vereint. Alles top hergerichtet und eingebettet in einen fantasischen Garten.

Es ist noch absolute Vorsaison und wir genießen es fast allein zu sein auf diesem Anwesen, kombiniert mit perfekten 20 Grad und Sonne.
Vielen Dank an die Eheleute Glaus, wir haben uns sehr wohlgefühlt.

Nachmittags geht es nach San Gimignano. Diese Stadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und wird auch als Manhattan des Mittelalters bezeichnet. Die relativ hohen Türme sind schon von Weitem zu erkennen. Ein richtig schnuckeliges Städtchen mit super 'homemade icecream'.
Was ist hier los: Vorsaison und hunderte Schüler und Touris. Wie mag das wohl zur Hauptsaison aussehen?
Gimignano Gimignano I Wir machen viele Fotos, leider produzieren wir, wie Dieter es nach Auswertung am Laptop ausdrückt, auch jede Menge Datenmüll. Das Eine oder Andere brauchbare ist aber ebenso dabei.

Schild_Gimignano Auf der Rückfahrt in den Serpentinen betätigt sich Dieter wie immer als ehrenamtlicher Stauführer. Uns scheinen alle italienlischen Autofahrer 'Mini Formel 1 Ferrari-Piloten' zu sein. Selbst der letzte Fiat Panda-Fahrer kundet durch lautstarkes Hupen seine Unmut über Dieters Tempo an. Viele Buß- und Verwarngelder weisen Dieter wirklich nicht als langsamen Fahrer aus, aber im Ferrari-Land gelten wohl andere Maßstäbe.




Florenz, Kunst- und Wissenschaftshochburg des Mittelalters


Dom in Florenz Nach einem Superfrühstück auf der Terasse des Anwesens und interessantem Smalltalk mit den Besitzern geht es Richtung Firenze-Florenz, zunächst wieder durch die Hügelbotanik, dann ab Colle Val di Elsa über die 'Landstraßen-Autobahn'. Wir ergattern in Florenz den letzten Parkplatz an der Ponte Romana und es geht zu Fuß weiter. Nach 20 Min. erreichen wir den Palazzo Pitti und hier treffen wir die unvermeidbaren, unzähligen Klassengemeinschaften und ihre 'armen' Lehrer. Bald erreichen wir die berühmteste Brücke über den Arno, die Ponte Vecchio. Erinnert etwas an Rialto in Venedig (Rummel, Ramsch und Touris). Domkuppel Florenz Domkuppelspitze Florenz











Da beeindruckt uns der Dom doch eher. Ein grandioses Bauwerk. Heute gab es noch keinen Sport, also heißt es Treppenjogging. Unser Reiseführer empfiehlt nicht die Kuppel zu ersteigen, sondern den nebenstehenden Campanile. 85 Meter und 414 Stufen. Vom Campanille hat man den deutlichen besseren Ausblick, ausserdem ist nur von hier sinnvoll die Kuppel zu fotografieren (also absoluter 'Geheimtipp').
David Aktuelles Modell An der Ponte Vecchio gibt es aber neben der hässlichen Brücke und dem lehmgelben Arno viele interessante Motive, zum Beispiel neben dem unermeidlichen David von Michelangelo auch tolle aktuelle Modelle (und die wissen auch, dass das sie toll sind).
Heute gehen wir im nächst gelegenen Dorf Pomarance essen. Nachdem wir dieses wirklich winzige Dörfchen kennengelernt haben, bilden wir uns ein, das Wort Landpomaranze jetzt ableiten zu können. Das Essen ist auch hier wirklich toll. Klar geht unsere Faszination natürlich auch von dem Neuen aus, aber in Summe ist es wirklich Klasse was die Köche hier 'produzieren'. In Pomarance bemüht sich die Bedienung sogar etwas Englisch zu sprechen, der italienische Weltbürger kommt ja gewöhnlich ohne Englisch aus und wiederholt, auch für ausländische Gäste, die Bestellung konsequent auf Italienisch.

Das Wort, das wir hier an jeder Ecke lesen, ist 'Agriturismo', frei übersetzt 'Ferien auf dem Bauernhof'. Wenn die Zimmer alle belegt sind, muss man wahrscheinlich selber kochen, weil die kleinen Restaurants nicht ausreichen.

Feiertag in Italien, lokale Wanderungen und Ausflüge

Am 25. April feiert man in Italien die Befreiung von der deutschen Besatzung!! Wir wollen an dieser Stelle mit Kommentaren sehr vorsichtig sein, aber ich habe mal im Geschichtsuntericht die Begriffe Duce, Achsenmächte, Mussolini, 'Gesetz zum Schutz der italienischen Rasse', Afrikafeldzug der Italiener .... gehört. Wenn sicher die 'Schuld' Deutschlands am 2'ten Weltkrieg unbestritten ist und der Duce soetwas wie ein Mitläufer war, halte ich persönlich diesen Feiertag für wenig angebracht und eher unpassend, um sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzten. Sei's drum.

Wilde Veilchen in der Toskana Toskana Landschaft Dieter schläft bis halb Acht - für Ihn eine tolle Leistung, liegt vielleicht am Feiertag. Es gibt wieder Frühstück auf der Terasse mit Blick auf die Hügel der Toskana - Idylle pur. Gestern haben wir entschieden, dass wir am vorletzten Tag in der Nähe bleiben wollen und Gegend und Botanik genießen wollen. Alternativ hätte natürlich noch Siena auf unserer 'Liste' gefehlt, aber die Städte, Plätze, Kirchen ähneln sich sehr und wir wollen ja keine italienischen Kunsthistoriker werden. Herr Glaus leiht uns eine Detailwanderkarte und erklärt uns verschiedene Touren. Wir entscheiden uns direkt vom Haus loszuwandern leider gleich in die falsche Richtung, was wir dann auch 'schon' nach 45 Min. merken. Macht nichts auch hier ist es schön. Irgendwie sieht sogar der Löwenzahn malerisch aus (oder ist das nur der andere Blickwinkel und die andere Stimmung die uns zu dieser Aussage kommen lässt). Biologisch gesehen ist es eine Modifikation, eine Anpassung an die karge Natur. Wild wächst hier auch eine Art kleines Alpenveilchen, sieht richtig nett aus.
Nach dem Mittagessen (wird irgendwie immer größer als geplant) und Mittagspause geht es weiter nach Libbiano (Dorf in der Nähe mit höchstens 40 Häusern). Wir erkunden das Dorf, malerisch, romantisch und Conny möchte hier trotzdem nicht ... Zaun hängen.
Das nächste Dorf, das wir ansteuern, liegt auf dem Nachbarhügel und heißt Micciano. Es ist noch etwas übersichtlicher als Libbiano.

Halt Landschaft und Natur pur!
Bauernhof in der Toskana Abendstimmung in der Toskana














Letzter Tag - Lucca

Lucca soll den Schlusspunkt unserer Reise bilden. Es liegt nördlich von Pisa und passt zudem klasse in unseren Zeitplan, da unser Flieger am späten Nachmittag geht. Gelateria in Lucca Lebensgefühl in Lucca Geburtshaus Puccini Lucca ist Kaufmannsstädtchen, das die sich ihr mittelalterliches Gesicht bis heute bewahrt hat. Nach Lösung des Parkplatzproblems, wir parken wieder im 'Blauen Bereich', diesmal mit Parkschein, gönnen wir uns ein Eis am Piazza Citadella.
Hier steht das Geburtshaus von Giacomo Puccini (Tosca, Madame Butterfly ...). Die Persönlichkeit von Puccini soll etwas gestört gewesen sein (es soll ja Leute geben, die das auf seine Musik zurückführen). Im Umgang mit Menschen soll er jedenfalls nicht der Größte gewesen sein.

Wir besichtigen den Piazza San Michele und den Dom von aussen, aber eigentlich fasziniert uns das Lebensgefühl in dieser Stadt. Es gibt eine nicht enden wollende Kette von Cafes und Restaurants in den Straßen.

Insgesamt ist in dieser Provinzstadt die Bausubstanz des Mittelalters wirklich erstaunlich gut erhalten. Und an den Stellen, wo das nicht so ist, wird kein Mensch das als Baumangel, sondern als besonderen Charme bezeichnen.






Abschlussbemerkung Conny und Dieter

  • Man kann sich kaum eine Gegend in Europa vorstellen, an denen eine höhere Konzentration an Kunst, Kreativität und Wissenschaft vorherrschte. Die Toskana hat wirklich viele Genies hervorgebracht oder angezogen. Hier erdachte Galileo Galilei seine ersten Versuchsreihen und gründete die moderne Naturwissenschaft und Astronomie. Europas größter Künstler und Bildhauer Michelangelo stammt aus der Toskana. Viele Dichter, Autoren und Künstler (z.B. Eva Hesse. Enkelin von Hermann Hesse) sind hierhergekommen und haben sich ausgetauscht.

  • In den Kirchen Florenz entstanden die ersten, handwerklich und künstlerisch hoch komplexen Freskenbilder. Bei einem Fresko kann man nur auf frischem Putz malen, also nur kleine Auschnitte, das heißt man muss das ganze Bild planen (im Kopf haben) und in kleinen Teilschritten realisieren. Die ablaufende chemische Reaktion verbindet Farbe und Sand und macht diese Bilder sehr haltbar und widerstandsfähig.

  • Die herrliche Landschaft mit historischen Städten ist eine interessante Kombination, die schon in vielen Filmen genutzt wurde.

  • Das Beharren auf der eigenen Sprache auch gegenüber Ausländern, zeigt uns keine Weltoffenheit. In der Hochzeit der Toskana, vor 500 / 600 Jahren, war das bestimmt anders und ein herausragendes Merkmal dieser Gegend. Uns kommt das jedenfalls suspekt vor, wenig europäisch und nicht sehr gastfreundlich (Wie würde darüber gedacht, wenn das in Deutschland so praktiziert würde?).
    Vielleicht liegt es einfach an fehlenden sprachlichen Möglichkeiten. Unsere Gastgeber erzählten, dass im laufenden Wahlkampf 2008 ein wichtiges Thema die Einführung von Englisch als Pflichtsprache in den Schulen ist.

  • Die italienischen Autofahrer sind sehr nervös und unfreundlich. Wenn man als Fußgänger einen Zebrastreifen überqueren will, kann man nur hoffen, dass ein Ausländer vorbeikommt und anhält.

  • In Summe kann man sagen, unsere Einstellung gegenüber Italien ist wieder einmal viel positiver geworden, aber der Deutsch-Italienischen Gesellschaft treten wir noch nicht bei.