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Reisebericht Namibia, Caprivi-Streifen, Zimbabwe, Botswana
- Reise Juli 2008 -

Sterndüne Namib Der Bazillus Afrikanus hat mal wieder bei uns zugeschlagen. In regelmäßigen Abständen zieht es uns in das südliche Afrika. Namibia bereisen wir nun zum zweiten/dritten Mal. Ein bisschen verrückt und irgendwie verliebt in diesen Teil der Welt muss man dazu schon sein. Wir (Conny, Dieter) werden begleitet von unserem jüngsten Sohn Andy und wollen neben den bekannten Punkten Namib-Wüste und Etoscha Nationalpark, insbesondere den Caprivistreifen im Norden (Grenzgebiet Angola, Botswana, Zambia und Zimbabwe) bereisen. Abschluß der Tour bildet ein Besuch der sagenhaften Victoriafälle des Zambesi, die in Zimbabwe (‚Robert Mugabe-Land’) und Sambia liegen.

Die Reise dauerte ca. 2,5 Wochen und wir haben sie, nein in Wirklichkeit Conny, eigenständig organisiert, sodass wir vollkommen frei in der Auswahl unserer Standorte waren.

Anreise / Windhoek

Air Namibia Maschine Abflug in Frankfurt 22.40 Uhr rel. pünktlich. Dieter sitzt neben zwei Jägern, die 1 Woche Jagdfarmen besuchen wollen. Die Jäger sind sehr vorsichtig bezüglich Erzählungen über die Jagd (speziell als wir von Fotointeresse statt Jagdfieber berichten). Er erzählt, dass natürlich immer ein Jagdexperte aus der Gegend mit dabei ist, um zu entscheiden, ob und welches Tier geschossen werden darf.

Diese Gruppe hat es wohl auf weniger spektakuläre Tier abgesehen, Kudus, Springbock, Warthog (Warzenschwein), Katzen und Großwild sind tabu. Ich lerne auch etwas über Abschussgebühren: Zebra 800 Euro, Warthog 300 Euro, plus Aufbereitung und Versand der Trophäe.

10 Stunden und 8500 km weiter, kommen wir mit sanfter Landung in Windhock an.

Nissan 4by4

Christuskirche in Windhoek

Die Mietwagenübergabe in Windhock ist eine aufwändige Prozedur, jedenfalls was die Dokumente angeht (besonderer Bedeutung kommt dem so genannten ‚Borderdocument’ für die Grenzübertritte zu.

Unser Nissan 4 by 4 ist ein two Cabin und rel. groß, an das Handling muss man sich erst gewöhnen, wie auch an den Linksverkehr. Das Auto hat schon 25.000 km runter (aufgrund der Straßen wird hier mit anderen Maßstäben gerechnet), es hört sich irgendwie komisch an, aber es wird uns sehr zuverlässig 3600 km bis zu den Victoriafällen begleiten.

Wir fahren zu unserem ersten B&B, lassen unser Gepäck da und besuchen die City von Windhoek, die bekannte Christuskirche, das Reiterdenkmal, die alte Feste und schlendern durch die Fußgängerzone.

Am Meteoritenbrunnen, ein Brunnen ohne Wasser, werden ein paar Aufnahmen gemacht und Andy genießt das vorerst letzte „richtige“ Essen bei Wimpys (McDonald auf südafrikanisch).

Abends essen wir in Joe’s Beerhouse (the best beerhouse on African’s continent – wie viele gibt es dort?), eine Institution für alle Touris in Windhoek.

Namib Wüste, Sossusvlei

Am nächsten Morgen starten wir pünktlich, wir haben ein erhebliches Stück von 380 km vor uns bis zum Namib / Naukluft Nationalpark. Der Weg führt uns zunächst über eine Teerstraße, aber fast 300 km werden wir auf guten Schotterpisten zurücklegen.

Diese Gravel-Pads sind bei Trockenheit rel. gut zu befahren, obwohl das Auto wie über Wellblech rappelt. Es gibt eine optimale Geschwindigkeit (zwischen 80 und 100 Km/h, unsere Erfahrung) bei denen die Resonanzen im Auto am geringsten sind. Bei Regen, haben wir 3 Wochen nicht erlebt, sollen die Straßen sehr rutschig werden, da der Lehmuntergrund sie in Seifenbahnen verwandelt.

Tankstelle Solitär 1

Tankstelle Solitär 2

Nach einem kleinen Zwischenstop in Solitaire, der einzigen Tankstelle im Umfeld, geht es weiter zur ‚Little Sossus Lodge ’. Die Lodge ist nichts besonderes, im Prinzip ausreichend, aber sie hat einen signifikanten Nachteil, es gibt hier nirgends eine Möglichkeit zu heizen und nachdem die Sonne untergegangen ist (ca. 17 Uhr) wird es bitter kalt.

Das haben wir in der Wüste auch erwartet, aber dass man in der Lodge nichts tut, um es an ein paar Stellen warm zu machen, ist schon bemerkenswert. Wir haben jedenfalls im Anorak unser Dinner eingenommen und sind vollständig angezogen (mit Pullover und Jeans) ins Bett gegangen.

Namibia liegt auf der Südhalbkugel, dem entsprechend ist im Juli dort Winter, es ist regenarm mit Temperaturen von durchschnittlich 23 Grad. Wir erwarten im Norden wärmeres Wetter, aber offensichtlich ist eine besondere Kältewelle durch Namibia gezogen. Eine Schweizer Camperin berichtete uns, dass sie Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in der Etoscha Pfanne hatten (wohl etwas übertrieben oder eher gefühlte Temperatur). Sie hat dann noch einen Supertipp: Alte PET-Colaflaschen mit heißem Wasser füllen und als Wärmflaschen ins Bett legen. Das haben wir natürlich sofort umgesetzt.

Dünenstürmer

Namibdüne mit totem Baum

Am nächsten Tag starten wir morgens ins Sossusvlei. Als Vlei bezeichnet man Pfannen, die in unregelmäßigen Abständen mit Wasser voll laufen und dann wieder jahrelang ausgetrocknet sind. Bei unserem ersten Besuch 2000 war das Sossusvlei ein großer See mitten in der Wüste. In diesem Jahr ist es vollständig trocken. Insgesamt hat sich einiges verändert in den letzten Jahren. Die Straße zum PKW Parkplatz (2x4) ist zum Schutz der Pflanzen asphaltiert worden. Die aufgewirbelten Staubwolken haben die letzten Pflanzen erdrückt. Außerdem wurden mehrere Sanddünen - Gebiete zur Besichtigung freigeben (Death Vlei, ….) und der Tourismus hat hier erheblich zugenommen. Von der großen Stille und Einsamkeit ist hier nichts mehr zu spüren. Eine Oryx Antilope vor einer Düne (das klassische Namibia Foto) sehen wir nicht, aber eine Herde Strauße zieht vorbei. Die legendäre Düne 45 (die Dünen werden durchnummeriert, es ist nur ein Zufall, dass sie ca. 45 km vom Parkeingang entfernt ist) wird von Andy und Conny bestiegen. Das runter Laufen macht Ihnen offensichtlich riesigen Spaß.

Sossusvlai Schild

Offroad in der Wüste

Vom 2x4 Parkplatz geht es mit Allradantrieb auf die Sandpisten zum Death Vlei. Das ist natürlich Fahrspaß hoch drei, Dieter würde den Weg am Liebsten 10-mal abfahren (Männervergnügen halt). Wir wandern von einem abgelegenen Parkplatz ins Death Vlei. Tausend Dinge gibt es hier zu fotografieren. Die toten Bäume vor den roten/orangen Dünen sind einfach ein fantastisches Motiv. Wegen des trockenen Klimas verfallen sie nur sehr langsam. 3 Stunden und 300 Fotos später geht’s dann zum eigentlichen Sossusvlei nur 1 km um die ‚Ecke’.

Erstaunlich ist immer wieder, wie einige Pflanzen und Tiere diesen widrigen Bedingungen trotzen und immer neue Überlebensstrategien entwickeln. Käfer, die sich während der größten Hitze in den Sand eingraben, Pflanzen die sich drauf spezialisiert haben nur vom Nachttau zu leben.

Sesrien Canyon

Am Nachmittag besuchen wir noch den Sesriem Canyon. Der Tsauchab Fluß hat hier eine 50 m tiefe Schlucht ins Gestein gefressen. Der Name Sesriem leitet sich von Geschichten der ersten Siedler ab, die sechs aneinandergebundene Ochsenriemen brauchten, um Wasser aus dem Canyon zu holen. Wir steigen natürlich hinab, z.Z. ist der Fluss ausgetrocknet, aber manchmal kann man hier schwimmen gehen.

pale chanting goshawk

Auf dem Rückweg zur Lodge sehen wir am Straßenrand einen Habicht, der einen Hasen geschlagen hat und daran ‚rumknabbert’. Das muss natürlich auf’s Bild und der ‚pale chanting goshawk’ hat viel Geduld mit Dieter, er bleibt ruhig sitzen und fliegt erst davon nachdem ihm ein weiters Auto fast über die Zehen gefahren ist.

Cats unlimitid, Leopardenfarm

Cats unlimited

Leopard auf Baum

Heute geht es zurück Richtung Norden auf die Gästefarm Düsternbrook.

Auf dieser Gäste- und Jagdfarm werden in großen Arealen 4 Leoparden gehalten und gefüttert, mit optimalen Möglichkeiten zum Fotografieren. Fast alle Tiere kann man in Namibia in freier Wildbahn beobachten, vielleicht werden wir auch Löwen finden, aber Leoparden sind nachtaktiv und konnten von uns noch nie ‚ordentlich’ aufs Bild gebannt werden. ‚Leoparden-drive’ ist um 14:30 Uhr, d.h. um pünktlich anzukommen starten wir früh, denn wir haben ein erhebliches Stück von 450 Km zu fahren.

Anfahrt Düsternbrook

Ab dem Sossusvlei-Abzweig fahren wir 3 Stunden ohne einem Menschen oder Auto zu begegnen. Namibia ist dünn besiedelt (doppelt so groß wie Deutschland, aber nur 1,8 Mio. Einwohner).

Wir erreichen Düsternbrook pünktlich und der Game-Drive hält, was er verspricht ‚Cats unlimited’. Nach der Fotosession ‚Leopard on the tree’ geht’s noch in das Gepardengehege. Hier werden 3 ältere Geparden und 4 Jungtiere (11 Mon. sie sind noch ganz flauschig) gehalten.
Wir bleiben 2 Tage und nehmen auch an den anderen Fahrten teil, die können aber natürlich nicht annähernd so spektakulär sein, wie die Raubkatzentour.

Leopard auf Baum

Leopard auf Baum

Die Farm wird von Johann Vaatz in der zweiten Generation geleitet. Man sieht schnell mit welchem Engagement er versucht hier alles perfekt zu organisieren. Alle Gebäude werden traditionsgemäß aus Natursteinen gebaut. ‚Man’ ist sehr bemüht das Alte zu erhalten, mit neuer Technik und neuen Möglichkeiten zu kombinieren und wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Die Farm hat eine lange Geschichte und reicht zurück in die Zeit, als mit Ochsenkarren Waren von der Küste (Walvis Bay) ins Landesinnere zu den Missionsstationen transportiert wurden. Düsternbrook lag an dieser Hauptroute und war Versorgungsstation. Seit den 60’er Jahren wird auf Düsternbrook eine begrenzte und nachhaltige Trophäenjagd durchgeführt. Die Wildtierhaltung, und damit die Jagd, hat gegenüber der Rinderhaltung wesentliche Vorteile, da Rinder die Landschaft intensiver und konzentrierter abfressen als Wild.

Leopard

Heute ist die Jagd ein wichtiger Wirtschaftszweig in Namibia und es gibt inzwischen über 400 Jagdfarmen, die ganz erheblich zur Stabilität in der Landwirtschaft beitragen und Arbeitsplätze auf dem Lande sichern.
Das durch die Jagd generierte Einkommen wird in die Natur 'zurückinvestiert'. Wild, das ehemals hier vorkam, wird wieder angesiedelt, so z.B. Giraffen, Eland, Springböcke, Zebras, Kuhantilopen, Strauße und seit 2004 auch das Breitmaulnashorn.

Auf Düsternbrook dient die Trophäentierhaltung natürlich auch zur Fleischversorgung der Arbeiter, der Küche und der Leoparden und Geparden. Auch wir genießen in sehr netten abendlichen Runden im großen Farmhaus Wildgerichte. Die Gäste kommen aus allen Teilen der Welt.


Etoscha Nationalpark

Wir verlassen Düsternbrook und starten gen Norden auf dem Trans-Kalahari Highway, einer Teerstraße, die bei uns nicht mal als Landstraße durchgehen würde. Immer wieder begegnen uns deutsche Namen: Bach-Damm, Teufelsschlucht, Zahnarzt und Straßennamen wie Mozartstraße, Hans-Dietrich-Genscher-Straße, Relikte aus der Deutsch - Süd - West Vergangenheit.

Bungalow Okaukuejo

Etoscha Salzpfanne

Die Kältewelle ist zu Ende und es ist spürbar wärmer geworden, ab jetzt frieren wir nachts nicht mehr. Wir fahren über Okahandja, Qtjiwarongo, Outjo nach Okaukuejo, dem größten Camp im Etoscha Nationalpark (ca. 250 km). Der Etoscha Nationalpark ist ein 22.275 km² großes Naturschutzgebiet am Rand des Kalahari Beckens und der bedeutendste Nationalpark des Landes. Etosha bedeutet in der Oshivambo-Sprache soviel wie „großer weißer Platz“.

Unser Premium Waterhole Chalet (gab leider nichts preiswerteres, angeblich ausgebucht, obwohl wir vor Ort diesen Eindruck nicht hatten) ist natürlich wirklich eine Sonder-Edelklasse mit 2 Schlafzimmern auf zwei Etagen, Wohnbereich, Loggia …. Hier hat man wirklich an alle Details gedacht und der Bungalow ist designtechnisch durchgestylt, z.B. Handläufer mit Edelstahlbolzen befestigt.

Schakal

Wir wollen natürlich nicht afrikanische Wohnkultur genießen, sondern starten gleich zu unserer ersten Erkundungsfahrt im Park. An der Gemsbokvlakte treffen wir auf zwei Schabrackenschakale (blackbacked jackal), laut Reiseführer und Tierbestimmungsbuch: sehr selten. Diese Tiere sind hier soooo selten, dass wir noch 10 weitere Schakale treffen und diese sogar im Camp rumlaufen.

Giraffen in Etoscha NP


Insgesamt gibt es in der Etoscha aktuell einen großen Tierreichtum, Zebras und Springböcke (‚Buschhamburger’ für die weitere Nahrungskette) in riesigen Herden. Die Zeit für Tierbeobachtungen ist optimal, da in den Trockenzeiten (Mai bis September) aufgrund des Wassermangels die Tiere an die Wasserlöcher kommen.

18 Uhr, es gibt Dinner, man muss in dem einzigen Restaurant des Camps essen, wenn man nicht selber grillen will (was wegen fehlender Teller und Besteckes nicht möglich ist), aber man staunt auch hier: Es hat sich was getan gegenüber 2000, das Essen ist richtig gut.

Oryx am Wasserloch

Ab 21 Uhr sollen die Tiere an ‚unser’ Wasserloch kommen. Es ist eins der schönsten und ‚ergiebigsten’ Wasserlöcher, die wir je erlebt haben. Um 20 Uhr prüft Dieter den Status: die Tiere, 6 Nashörner, 5 Giraffen und Zebras sind zu früh, sie sollten gemäß Angaben von Mitreisenden erst um 21 Uhr kommen. Später kommen noch Elefanten dazu. Für Fotos reicht die Beleuchtung am Wasserloch nicht aus, viele Handykamera-Experten versuchen natürlich trotzdem Blitzlichtaufnahmen zu machen. Aber am nächsten morgen waren die Bedingungen optimal und auch die Tiere ließen nicht auf sich warten. Ein Traum für Fotografen.

Springböcke beim Kampf

Zebras am Wasserloch

13. Juli, es ist Sonntag, die Tore im Park sind von 6 Uhr bis 17:30 (sunrise – sunset) geöffnet. Da wir aber das Superwassserloch vor der Tür haben, starten wir erst nach dem Frühstück unseren Gamedrive. Zuerst geht es nach Norden, bei Leeubron (Löwenbrunnen) haben wir vor 8 Jahren Löwen gesehen, hier versuchen wir es wieder.

Wenn man an auf den Horizont schaut, sieht es aus, als ob man in eine Gewitterfront hineinfährt. Das ist wahrscheinlich der aufgewirbelte Staub der Autos, der in der Luft hängt. Die Sträucher am Rand sind mit einer weißen Schicht überzogen, wie eine Aschewolke nach einem Atomsupergau.

Etoscha Staub und Salzwüste

Erdhörnchen

Bei Leeubron, fütterte man in den 60’er Jahren Löwen indem man Kadaver an den Stamm einer Akazie band. Die Touris kamen mit einem Wildhüter zum Sonnenuntergang zur Löwenfütterung. Wir fanden hier keine Löwen, dafür sahen wir aber 4 Löwen hinter Okaukuejo. Sie liegen im Gras, kaum 10 Meter von der Fahrbahn entfernt und wir wären wahrscheinlich vorbeigefahren, wenn nicht schon 3 Autos da gestanden hätten.

Was für Andy der Wombat in Australien war, ist hier das Erdhörnchen, wir sehen Unmengen der possierlichen Tierchen. Fast könnte man von einer Plage sprechen.

Es geht weiter bis Halali, hier hat man einen Sonnenschutz am Wasserloch gebaut, Tiere sehen wir nicht, gleiches am nächsten Stopp Rietfontein.. Aber dann halten wir an der Wasserstelle Salvadora: Gerade kommt eine Herde Elefanten (25 Stück). Die Elefanten bespritzen sich mit Staub und Wasser, sie sehen saudreckig aus, betreiben aber eigentlich nur Hautpflege, um sich gegen die Sonne zu schützen. Nach 15 Min. ziehen sie weiter. Man muss eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein!

Elefanten am Wasserloch

Das beleuchtete Wasserloch ersetzt abends das Fernseh- und Kinoprogramm. Die Menschen flüstern nur andächtig und man kann jedes Geräusch der Tiere hören, wenn nicht gerade ein Engländer seine Whiskyflasche auf den Boden donnert.

Elefantenauge

Morgens geht es weiter, wir müssen den Park durchqueren. Nach Halali verändert sich die Botanik erheblich, hier wird der Busch wesentlicher dichter, fast waldähnlich. Wir 'Hobby-Ranger' lesen Spuren, erkennen Schei… haufen und stellen an den abgerissenen frischen Ästen fest, dass es hier Elefanten geben muss. Plötzlich und unerwartet steht ein riesiger Bulle vor uns. Wir folgen den Elefanten, da Dieter ja sein ultimatives Elefantenaugenfoto machen will. Zunächst fahren wir an der Herde (13 Tiere) vorbei, da zuviel Busch im Weg ist. Direkt neben dem Pad steht ein Bulle und plötzlich stehen wir mitten in der Herde, Elefanten in jeder Größe.

Elefantenbulle

Im Reiseführer steht: empfohlener Abstand 100m, Ranger sagen: 50m ist ok, wir hatten 5m und dann will Dieter noch den Motor ausmachen >> Kardinalfehler. Die Elefanten werden nicht durch die Größe des Autos, sondern durch das Motorgeräusch abgehalten, erfahren wir später.

Es gab noch gewisse Diskussionen im Auto, aber die Elefanten waren friedlich und alles ist gut gegangen. Bei der nächsten Elefantenbegegnung muss Dieter den Abstand einhalten und wird so um ein Siegerfoto bei Glanzlichter gebracht (sagt er).

Ins richtige Afrika (das wilde Namibia)

Am Nachmittag erreichen wir unsere nächste Lodge ‚Mushara’, nur kurzer Zwischenstopp, morgens geht es gleich weiter über Tsumeb, wo wir ein Museumsdorf besuchen, in dem die Lebensweise der unterschiedlichen namibischen Völker dargestellt wir.

Rundhütte

Schulklasse

Eine Schulklasse, Secondary school, soll auch was über Ihre ‚Ahnen’ lernen, später im Norden erkennen wir, dass sie nichts über Ihre Ahnen, sondern etwas über die aktuelle Wohnsituation lernen, die 400 km weiter Alltag ist.


Wir fahren weiter ins Kavando-Gebiet (Okawango) und nach dem Passieren der Veterinärkontrolle fühlen wir uns in die Steinzeit versetzt. Die Häuser bestehen aus zusammengestellten Baumstämmen, Stroh bedeckt und mit Lehm und Dung verschmiert.

Okawango Waschtag

Über Rundu (Tankstop und Bankgeschäfte, Geld wechseln) erreichen wir die Hakusembe-River Lodge. Hier machen wir unsere erste Rivertour, sehen die ersten Kingfisher und eine Menge weiterer Vögel. Der Okawango trennt Namibia von Angola. Bei der Rivertour sehen wir am anderen Ufer immer wieder Angolaner, die sich und ihre Wäsche waschen und Angolaner sind. Eine richtige Begrenzung gibt es nicht. Man erzählt uns noch, dass auf beiden Seiten des Flusses Kawangos leben, die eigentlich zusammengehören. Grenzformalitäten existieren nicht. Uns erstaunt das sehr, da wir bei jedem Grenzübertritt einige Formulare ausfüllen müssen.

Dachdecker

16.7. Aufbruch in Richtung Caprivi-Streifen, 250 km sind zu schaffen, die Straße B8 durch den Caprivi-Streifen wurde 2006 asphaltiert und ist ziemlich langweilig. Wir durchfahren hier das „Dachdeckergebiet“, überall am Straßenrand werden Büschel aus Schilfrohr verarbeit. Als wir an einer Art fabrikmäßigen Büschelproduktion vorbeikommen, ist Dieter nicht mehr zu bremsen, er steigt aus, macht Fotos und spielt den 'Feudalherren', indem er als Gegenleistung eine Tüte Gummibären verteilt. Die Aufsicht (Controller) wird sauer, weil Dieter die Frauen vom Arbeiten abhält.

Nach einem Besuch der Popa-Falls, die eigentlich nur Rapids (Stromschnellen) sind, wirklich nicht sehr spektakulär, kann man sich sparen, geht es zur Mahangu Lodge. Das Schild ‚We are better than the best’ und ‚Wir sind Deutsch’ begrüßt uns. Die Zufahrt ist abenteuerlich und die ‚Luxury Tents’ sind Militärzelte. Für uns (Conny und Dieter) reicht das aus, aber unser Sohn ist entsetzt.

Streichholzbaum

Wir besuchen den Mahangu Park und wollen die hier besonders häufig vorkommenden Rappen- und Pferdeantilopen fotografieren, leider rennen die immer in die falsche Richtung. Eine Attraktion ist der über 1000 Jahre alte Baobab-Baum. Der Mahangu Park ist mit 250 km² relativ klein, aber er bietet eine artenreiche Tierwelt und über 360 Vogelarten. Man darf dort das Auto verlassen, sollte aber wegen der vorkommenden Löwen und Leoparden vorsichtig sein. Leider sehen wir letztere nicht, obwohl wir uns als Futter anbieten. Natürlich müssen wir auch in den westlichen Teil, der bis zu 10 km mit Allrad befahrbar ist, obwohl uns davon abgeraten wurde und der Lodgebetreiber uns sagte, dass er uns nicht da wieder raus holen würde. Nach 2 km kommen wir in eine Sanddüne und bleiben stecken. Der ‚Treckergang’ holt uns wieder raus, aber selbst Dieter reicht es an Risiko und wir kehren um. Wir machen noch eine exklusive Bootstour (keine weiteren Gäste) und sehen gleich 5 Hippos, die von einer Insel in den Okawango rutschen. Unser Bootsführer hat großen Respekt vor ihnen (Hippos sind mit Abstand die gefährlichsten Tiere in Afrika) und nimmt schnell reiß aus. Erstaunlich sind immer wieder die guten Augen unserer Führer, immer wieder zeigt er uns Vögel im Gebüsch, die wir nie entdeckt hätten. Super.

Nachts ist hier am Fluss die ‚Hölle’ los, die Hippos machen einen gewaltigen Lärm und im Zelt hat man das Gefühl: Sie stehen neben dem Zelt.

Hippos am Okawango

Baobab Baum




Durch den Caprivi Streifen

Tree house

Campingurlaub auf niedrigem Niveau ist nun erstmal zu Ende, im Camp Kwando erwartet uns ein Treehouse. Zunächst fahren wir noch mal an eine andere Stelle der Popa-Fälle, ein Geheimtipp der Mahangu-Lodge. Die Route führt an einem Gefängnis vorbei, das heißt hier Rehabilitationszentrum. Der Gefängniszaum ist ziemlich lang und wird ironischerweise von den Insassen selbst ausgebessert. Liegt es vielleicht daran, dass die Knasties besser leben als die Hüttenbewohner sonst? Die Popa-Fälle sind auch hier nicht der Hit und wir fahren weiter über den Trans-Caprivi-Highway nach Kongola. Der Ort Kongola ist eher eine Kreuzung mit Tankstelle und Supermarkt. Beides geschlossen / außer Betrieb. Eigentlich war tanken hier fest eingeplant, jetzt macht sich unsere Strategie bezahlt an jeder Tankstelle zu tanken, auch wenn der Tank mehr als halb voll ist. Eine Strategie, die jeder beherzigen sollte, wenn er keine bösen Überraschungen will.

Die aufgeständerten Hütten (tree house) sind rel. Komfortabel und haben sogar ein Badezimmer.

In der Nähe liegt der Mudumu Nationalpark. Wir (Conny und Dieter) machen uns auf den Weg, Andy beschäftig sich lieber mit dem Laptop. Der Park ist etwa 1.000 km² groß und laut Reiseführer nur mit Allradfahrzeugen (am besten im Konvoi) zu befahren. Der Kwandofluß ist 15 km lang die Westgrenze des Parks, verzweigt dann in ein Wirrwarr von Armen und ‚versickert’ in den Sümpfen und im Okawango-Delta in Botswana.

Mudumu Nationalpark

Spinnenquartier

Unser erstes Problem war die Rangerstation für das Permit zu finden, 5 km von der ‚Hauptstraße’ entfernt, leider nicht ausgeschildert. Hier wird besonders gründlich das Dokument für das permit ausgefüllt. Der Ranger hat auch ausreichend Zeit, da laut Liste nur 1 bis 2 Besucher pro Tag ein permit beantragen. Einen Wegeplan gibt es an der Wand - Kopien leider nicht - wir machen eine Aufnahme, wer weiß, vielleicht hilft er uns ja noch mal. Der Ranger erklärt, dass es 2 Routen gibt, die wir wählen können. Nach rechts führt sie in Richtung Wasser mit rel. tiefen Überschwemmungen. Ob unser Auto es schafft, müssten wir ausprobieren. Nach links sei alles easy, überhaupt kein Problem, alles super befahrbar.

Wir entscheiden uns für die linke Variante, im Wasserloch stecken bleiben, das muss nicht sein. Natürlich wäre eine Map schon hilfreich gewesen, denn hier gibt es tausend Abzweige. Wir geraten auf einen Nebenpad mit viel Sand und bleiben, trotz Allrad stecken. Der Treckergang holt uns wieder raus und wir suchen krampfhaft eine Stelle zum Drehen. Endlich ein Sandplateau auf dem man umdrehen kann. Jetzt ‚nur’ noch zurück, wir merken, dass unser Auto an der Grenze des Möglichen operiert und landen nach 15 km bei der Lianshulu Logde. Dort treffen wir eine uns bekannte Gruppe aus Hakusembe mit ihrer namibischen Führerin wieder und diskutieren den Rückweg zur Hauptstraße. Wie die mit Ihrem VW-Bus diesen Park befahren wollen, bleibt ein ewiges Rätsel.

Wir finden den Rückweg zur Main-street und sind heilfroh. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir da stecken geblieben wären. Vielleicht hätte Andy ja Hilfe organisiert. Wir hatten den Eindruck, den Ranger würde das nicht sonderlich interessieren. Caprivi ist schon deutlich afrikanischer als wir es bisher kannten und ‚by the way’: mehr Abenteuer muss es für uns auch nicht sein.

Andy ist etwas frustriert, hier wird Strom rationiert und der Generator läuft nur zu sehr eingeschränkten Zeiten.

Hühnerstall mit Leiter

Medizienmann

Am nächsten Morgen fällt zusätzlich die zentrale Wasserpumpe aus, es gibt also auch kein Wasser. Wir besuchen das nahe gelegene Dorf alleine, weil wir keine ‚Touri-Tanzvorstellung’ wollen. Die Bewohner erklären ihre alten Traditionen, Herstellverfahren, Werkzeuge und … tanzen für uns. Es macht Ihnen sichtlich Spaß. Im Gegenzug kaufen wir 3 geflochtene Körbe von ihnen.

Nachmittags machen wir einen weiteren Bootsausflug. Unser Guide gibt sich viel Mühe, zeigt uns die Vogelwelt und erzählt uns, wozu Wasserlilien dienen können. Neben der Funktion als Trinkhalm werden Wasserlilien als ‚Ehetest’ benutzt. Kunstvoll erstellte Ketten müssen vom Ehemann 10 Tage getragen und gepflegt werden (alle 10 Minuten wässern), um zu beweisen, dass er für Frau und Kinder zuverlässig sorgen kann. Neben diesem Test ist natürlich der ‚Brautpreis’ von bis zu 50 Kühen zu zahlen. Ein mitreisender 12-jähriger Junge, Lukas, ist hell entsetzt und will keine Frau haben, Andy lächelt wissend.

Neben Vögel sehen wir praktisch kein Wild, da der Kwando- Wasserstand 1,5 Meter höher als gewöhnlich ist. Die Tiere trinken in den weit überschwemmten Gebieten und kommen deshalb nicht ans Ufer. Auch die Bungalows am Ufer sind alle überschwemmt.

Lodge bei Nacht

Vogelwelt

Nach der Bootsfahrt hat es Dieter richtig erwischt, die Magen / Darm-Probleme weiten sich aus und er legt sich mit Schüttelfrost und Fieber voll angezogen bei 20°C ins Bett. An Essen ist nicht zu denken. Beim Abendessen wundert sich keiner, dass es einen Ausfall gibt, das scheint öfter vorzukommen. Es ist natürlich immer gut eine Apothekerin dabeizuhaben. Dank eines Breitbandantibiotikas ist Dieter am nächsten Morgen wieder einsatzfähig und wir müssen auf Andys Angebot ‚Er könnte ja fahren’ nicht zurückgreifen.

In Botswana, Chobe River

Elefanten am Chobe

Sonntag, 20 Juli
Wir brechen früh auf Richtung Katima Mulilo. Dieter verträgt schon ein Marmeladenbrot, aber sicherheitshalber nehmen wir noch ein Notfallpaket Toilettenpapier mit, das aber dann doch nicht gebraucht wird. Nach 125 km kommen wir in Katima Mulilo an und können tanken (naja 15 Liter hätten wir noch gehabt, für ca. 150 km, das Auto ist echt sparsam). Sprit ist hier rel. günstig, ca. 1 €/l.

Endlich ein Craft Center, wir wollen ja auch afrikanische Kunst abseits der nervigen Straßenhändler kaufen. Aber es ist Sonntag -> geschlossen. Also fahren wir weiter nach Ngoma, der Grenze zu Botswana.

Wenn man bereits den Ost-Teil des Caprivistreifens erreicht hat, ist ein Abstecher in den Chobe Nationalpark ein Muss. Er ist berühmt für seine riesigen Elefantenherden, die direkt an den Fluss kommen.

Disease control

Die Einreise ist natürlich wieder mit Formularen verbunden, toll was die alles über unser Auto wissen wollen, Motor-Nr., Fahrgestell-Nr. … alles wird in einem Buch notiert und dann … wahrscheinlich weggeworfen. Die Formulare werden in einer Geschwindigkeit abgestempelt, nicht einmal ein Hochgeschwindigkeitsscanner hätte die Daten lesen können. Andy macht den Vorschlag doch nächstes mal ‚Bull shit, Bull shit’ einzutragen, wir trauen uns das aber nicht. Vor der eigentlichen Einreise müssen wir durch die ‚disease control’, einmal mit Schuhen und Autoreifen durch Desinfektionsmittel, ein Blick in die Kühlbox, das war’s.

Gardenlodge

Gegen 1 Uhr erreichen wir die sehr schöne Garden Lodge mit vielen internationalen Gästen, Spanier, Australier, eine rauchempfindliche Engländerin … Angeboten wird ein 3- stündiger Bootstrip und ein Game drive. Eigentlich wollten wir Game drive, aber wir sind nicht beratungsresistent und lassen uns überzeugen, da man vom Boot aus die bessere Sicht hat.

Unser 4’ter Bootstrip ist einfach umwerfend, fantastisch. Der Chobe River ist ein Tierparadies: Hippos, Büffel, Krokodile, Vögel ...alles, was das Herz begehrt, Höhepunkt natürlich grasende Elefanten mitten im Chobe. Es gibt wie überall in Botswana einen erheblichen Elefantenüberschuß, dieses Problem müsste eigentlich konsequent angegangen werden. Aber wer will schon Elefanten abschießen? Nach dem ereignisreichen Fototag muss wieder eine Bereinigungsaktion auf dem Laptop stattfinden, die Festplatte des Laptops beginnt ‚überzulaufen’. Um 7 Uhr gibt es Abendessen mit netten Gesprächen in großer Runde.
In Summe ist ein Abstecher nach Botswana wirklich sehr zu empfehlen (Wir kommen sicher noch mal wieder).

Elefanten am Chobe 2

Kingfisher

Abendstimmung am Chobe




Wenn die Victoriafälle schon fast zum Greifen nah sind (70 km), dann darf man diese nicht auslassen, deshalb machen wir uns am nächsten Tag auf die Reise nach Zimbabwe. Wir haben viel Zeit für unsere letzte Etappe und bekommen noch interessante Informationen von dem deutschen Managerpaar der Lodge. Über Unregelmäßigkeiten an der Grenze darf man sich nicht wundern, es sind eben goldene Zeiten für Polizisten und Grenzer. Ein paar Dollar ‚Trinkgeld’ würden einfach Wunder wirken. Wir tanken zunächst und kaufen noch ein paar Colas für den Weg. In Kasane ist es richtig voll und es wimmelt von Polizisten und Militär. In Ermangelung von Schildern folgen wir zunächst mal der Masse und fahren an kilometerlangen LKW-Schlangen vorbei, dann landen an der Fährstation nach Sambia. Also zurück, nur ein paar km und wir finden den Weg nach Zimbabwe. Die Ausreise aus Botswana ist unproblematisch, aber dann beginnt das letzte Abenteuer.


Zimbabwe oder das letzte Abenteuer dieser Welt

LKW Schlange Einreise

Einreise Zimbabwe

Einige Leute stehen an einer kleinen Bude an, das muss die Grenzstation sein. Ein Schild ist natürlich nicht vorhanden. Erstaunlich ist, dass fast keine Autos davor stehen, nur LKW’s. Warum nur? Wir füllen brav unsere Papiere aus. Andy braucht nicht mal das Visum bezahlen, Conny und ich bekommen für 30 US$ zwei Seiten in den Pass geklebt. Fertig! Dachten wir.

Jetzt beginnt die eigentliche Story, ein Auto nach Zimbabwe importieren. Beim Einsteigen quatscht uns ein Typ an, ob denn die Third party insurance bereits bezahlt sei. Third party insurance? wir haben ein bestens versichertes Auto, haben ohne Problem 3500 km in Afrika zurückgelegt und brauchen nun eine Versicherung für die letzten 70 km? Dieter sträubt sich noch, aber Conny hat im Internet über die Notwendigkeit gelesen. Wir bezahlen 40 US$ (in Worten vierzig US$), weil wir einfach keine Lust haben zu verhandeln, ohne richtige Englischkenntnisse der Gegenseite. Also dann zum Gate, jetzt fehlt uns der Gatepass, eine Carbonsteuerbescheinigung und ein TIP (Temp. Import Permit). Eigentlich wussten wir, dass wir die Papiere brauchten, die Internetseite von Amadeus Garden z.B. weist darauf hin, aber nirgends ist ersichtlich, wo man sie bekommt.

Beim Visa- Beamten haben wir schon die Autonr. angegeben, Hinweise, was zu tun ist, gibt es nicht schriftlich und auch nicht mündlich von der ‚Obrigkeit’.

Wir reihen uns wieder in die Schlange bei der sagenhaften Bude ein und kommen ins Gespräch mit einem LKW-Fahrer, die ebenfalls Opfer dieses Systems sind. Er klärt uns auf, was wir alles brauchen und wir füllen wieder brav aus. Das wir noch mal 20$ für TIP, 10$ für Carbonsteuer bezahlen, ist nicht der Rede wert. Als der Customer aber Dieter wegschickt, weil Herstellungsland und Bj. in unserem TIP fehlt, wird es grenzgängig. Dieter trägt einfach South Africa 2001 ein und der Customer stempelt ab. Ich wette, der wirft das Dokument danach weg.

Schild Zimbabwe

Wir werden also samt Auto eingelassen. Am Gate will keiner unser Third Party Insurance sehen. Im Auto diskutieren wir, dass wir wohl 40 Dollar zum Fenster raus geschmissen haben, aber das System der ‚Abzocke’ funktioniert. Nach 500 m kommt die erste Polizeikontrolle mit der ersten und einzigen Frage: ‚Do you have a Third Party Insurance?’ Haben wir, sonst geht man zurück auf Los, besser gesagt zur Grenzstation, plus Strafe, vermuten wir.

Ohne weitere Probleme erreichen wir Amadeus Garden, Hartmut, der nette Besitzer, empfängt uns und berichtet über wenig Erbauliches: a.) letzte Woche musste er zwei Südafrikaner aus dem Knast auslösen, die hatten versehentlich eine Militärstation (abgerissene alte Zelte am Straßenrand) fotografiert. b.) Kreditkarten werden nicht akzeptiert, die Inflation galoppiert c.) Geschäfte sind leer, kaufen kann man nichts. d.) alles, was es gibt, wird aus Sambia importiert.

Das trägt in Summe nicht unbedingt dazu bei, dass unser Unsicherheitsgefühl im Bauch (und wir sind da wirklich einiges gewöhnt) kleiner wird. Insgesamt sind die Preise hier im Vergleich zur erbrachten Leistung Wahnsinn. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier aus den letzten Verrückten Reisenden alles rausgeholt werden soll.

Hartmut und sein Team

Trotz des diktatorischen Systems sind wir von Hartmuts Team und auch vielen Menschen auf den öffentlichen Straßen sehr freundlich aufgenommen worden, auch über Zwischenfälle oder Diebstähle können wir nicht klagen. Angst um irgendetwas musste man nicht haben, aber das komische Bauchgefühl blieb uns bis zum Schluss erhalten. Es lag sicher auch daran, dass wir nur begrenzt Geld eingeführt hatten und uns sonst immer auf unsere Kreditkarte verlassen konnten.

In der Rückschau natürlich eine spannende Geschichte, die man nie vergisst und Selbstvertrauen für die Zukunft schafft, aber wenn man ‚drinsteckt’ ist es nicht nur lustig.

Unser eigentliches Ziel in Zimbabwe sind die Victoria Fälle, deshalb sind wir morgens am Eingang des National Parks Mosi-oa-Tunya und zahlen 20 US$ Eintritt pro Person. Das muss man auch für den sicher nicht vergleichbaren Turm von Pisa bezahlen, aber für hiesige Verhältnisse ist das ein mittleres Vermögen. Zum Vergleich: Wir haben im Etoschapark alle zusammen 20€ pro Tag bezahlt.

Livingston Statur

Wir beginnen an der Livingston-Statue. Livingston war ein Abenteurer und Missionar, der die Fälle entdeckte und sie nach seiner Königin Victoria benannte. Die Schwarzen bezeichnen die Fälle als Mosi-oa-Tunya (Rauch mit Donner), wobei mit Rauch die Gischt, die als Nebelwand aufsteigt, gemeint ist.

Zambesi Vic Falls

Ein bisschen Erdkunde /Geologie: Der Sambesi entspringt im Norden Zambias, fließt zunächst südwestlich nach Angola, kommt nach Zambia zurück, fließt durch die Caprivi Sümpfe, hier vereint er sich mit dem Chobe. Nahe der Stelle, wo die vier Länder Zambia, Zimbabwe, Botswana und Namibia zusammenstoßen, stürzt sich der Fluss auf einer Breite von 1700 m in eine 108 m tiefe Schlucht (die Victoriafälle). Während der Regenzeit pro Minute 550 Mio. Liter Wasser. Von hier strebt er dann durch Mozambique dem Indischen Ozean zu. (2.700 km lang, damit viertlängster Fluss Afrikas).

Diese Wasserfälle sind wirklich gigantisch. Wir waren zur Trockenzeit da und beeindruckt von den Wassermassen, die bedingt durch den hohen Wasserstand des Chobe größer waren als üblich. Der Nebel beeinträchtigte bereits an einigen Stellen die Sicht und die Fotomöglichkeiten. Mit noch mehr Wasser im Sommer könnte das schnell die Sicht vollständig nehmen.

Der Weg führt uns von Westen nach Osten, zuerst kommt Devil’s Cataract, dann die main falls, Horseshoe, Rainbow Falls und der Danger Point. Ab Horseshoe gab es starken Nebel bis hin zu Regen und wir waren anschließend ziemlich nass. Der Dangerpoint war eine gute Fotoposition, aber leider nur ganz an der äußersten Abbruchkante. Es gibt ‚Leute’, die haben in Ihrem Tagebuch notiert, am Danger Point wollte Dieter sich in den Zambesi stürzen.

Vic Falls 2

Vic Falls Regenbogen

Vic Falls Luftaufnahme

Wir gehen den Weg noch mal in umgekehrter Richtung zurück, um wirklich nichts zu verpassen. Sehr angenehm war, dass wir nur auf ganz wenige Besucher treffen, was natürlich sehr angenehm ist und wohl an der politischen Situation liegt.

Nach 2 Stunden verlassen wir den Park und gehen zur Livingston Brücke die Zimbabwe mit Zambia verbindet. Statt richtig auszureisen, kriegt man diesmal einen Schnipsel mit der notierten Personenanzahl. Es ist schon ein ganzes Stück zu laufen bis man die Mitte der Brücke und damit Sambia erreicht. Von hieraus gibt es noch mal einen tollen Blick in die Schlucht. Man wundert sich, wie viele Leute hier unterwegs sind, im wesentlichen Warentransport von Zambia nach Zimbabwe. Maismehl und Toastbrot zum Beispiel wird vor der Brücke gehandelt. So traurig es ist, aber die Toastbrotscheiben werden einzeln verkauft. Das Panorama spielt für diese Menschen hier keine Rolle. LKWs kommen ganz selten, obwohl an der Grenzstation eine erhebliche Schlage ist. LKW- Fahrer sind dem System ausgeliefert; sie müssen bis zu 5 Tage an der Grenze stehen bis sie dran sind.

Mit einem empfohlenen „secure“ Taxi fahren wir zurück zu Lodge, denn nachmittags werden wir dort zu unserem Helikopter-Rundflug über die Fälle abgeholt.

Hubschrauberrundflug

So eine Gelegenheit gibt es nie wieder, der Preis geht auch irgendwie. Die 6-sitzige Maschine machte einen wirklich guten Eindruck (Wie haben die das Ding bloß eingeführt und wo kommt das Flugbenzin her?) Dieter ergattert einen der drei ‚Fotoplätze’, die zum fotografieren geeignet sind. Die Fälle von oben zu sehen ist wirklich fantastisch – atemberaubend - besonders die gewaltigen Dimensionen. Der eigentliche Flug hat nur 15 Min. gedauert und die sind wirklich wie im Flug vergangen.

Eigentlich wollten wir uns in einem Supermarkt etwas zu Essen kaufen, aber Steven, unser Fahrer erzählt uns: „Alle Regale sind leer, es gibt nichts mehr zu kaufen. Wenn man was braucht, muss nach Sambia“. Das erklärt den regen Warentransport auf der Brücke.


Rückflug aus Zimbabwe

Unsere Summary:

Die VicFalls sind traumhaft, sehenswert und sicher, aber das Bauchgefühl war bei uns Unwohlsein. Im Moment würden wir nicht hinreisen. Aber Mugabe ist ja schon über 80, vielleicht ändert sich mit seinem Nachfolger die Situation.

Die Fälle laufen ja nicht weg, sie sind auf jeden Fall einen Besuch wert!





Fazit und was uns sonst noch diesmal in Afrika aufgefallen ist


  • Wir haben unheimlich viel gesehen und neue Eindrücke gesammelt.

  • Namibia ist afrikanischer als Südafrika.

  • Der Norden Namibias ist Afrikas pur.

  • Wer im Juli fährt, sollte warme Kleidung für die Nacht mitnehmen.